dioezeseDer Kirchenkreis Zerbst umfasste immer den anhaltischen Landesteil rechts der Elbe und war aufgeteilt in die Ämter Zerbst, Roßlau, Lindau und Coswig. Zur Zeit der Reformation lag die Landeshoheit zum größten Teil in den Händen der Dessauer fürstlichen Brüder, von denen Fürst Johann bei der Landesteilung von 1544 die Ämter Zerbst, Lindau und Roßlau erhielt mit der gesamten Stadt Zerbst.

Bei dieser hatte bisher auch Fürst Wolfgang von Köthen ein Mitbestimmungsrecht besessen, was beim Werden der Reformation sehr ins Gewicht gefallen ist. Wolfgang trat 1562 auch das Amt Coswig an die Dessauer ab, das bisher sein Alleinbesitz gewesen war. Von den drei Söhnen, welche alle bei dieser Ämterverteilung berücksichtigt waren, war es Fürst Joachim Ernst der 1570 das gesamte Zerbster Land in seiner Hand vereinigen konnte. Sein Sohn Johann Georg I. hat das Land im Namen seiner Brüder und Miterben noch bis 1606 verwaltet, wo eine neue Landeseinteilung stattfand. Hier haben folgende Fürsten der Zerbster Linie die Herrschaft inne gehabt: Rudolf (gestorben 1621), Johann (gestorben 1667), Karl Wilhelm (gestorben 1718), Johann August (gestorben 1742), Johann Ludwig (gestorben 1746), Christian August (gestorben 1747) und Friedrich August (gestorben 1793).

Das Aussterben des Fürstenhauses, dem von den Senioratsgütern 1669 noch das Amt Mühlingen zugefallen war, führte 1797 nochmals zu einer Aufteilung des Zerbster Landes. Dabei kam das Amt Zerbst zu Dessau, die Ämter Lindau und Roßlau zu Köthen und das Amt Coswig zu Bernburg. Nach dem Aussterben der Herzöge von Köthen und Bernburg hat das Land Zerbst bis 1863 wieder seine Einheit unter Dessauer Hoheit erlangt. Rat und Bürgerschaft von Zerbst sind frühzeitig für die Reformation gewonnen worden. Als im März 1522 der letzte katholische Kaplan Johann Wilboldt in St. Nikolai aus der Stadt weichen mußte, lud der Rat Martin Luther ein zum Besuch der Stadt. Dieser hat mit seiner Predigt am 24. Mai 1522 im Augustinerkloster dann auch den Auftakt gegeben für die Einführung der Reformation. Bald darauf trieb der Mönch Johann Luckow durch seine anfeuernden Predigten die lutherische Bewegung weiter, so dass der Rat der Stadt schon im Mai 1523 den ersten lutherischen Geistlichen an St. Nikolai anstellen konnte. Im Dezember 1524 hat auch St. Bartholomäi einen Lutheraner auf der Kanzel gehabt.

Von den Klöstern leisteten nur die Franziskaner einen nennenswerten Widerstand, als der Rat im September 1526 die Gebäude besetzte. Ein jahrelanger Prozess wurde durch das Einwirken von Fürst Wolfgang 1531 niedergeschlagen. Dieser hatte bis dahin die Reformation mehr nur im Stillen fördern können, aber nicht so offen dafür eintreten dürfen wie in seinen eigenen Landesteilen. Denn noch bestand der Widerstand der Dessauer fürstlichen Brüder, die ganz unter dem Einfluss ihrer Mutter, der katholisch gesinnten Margarete von Münsterberg, gestanden haben bis zu deren Tode 1530. Doch hat sich die Reformation in Zerbst 1545 durchgesetzt, wo Theodor Fabricius zum Superintendenten des Zerbster Bezirks ernannt wurde und die ersten Kirchenvisitationen abhielt. Schon 1538 hatte Luther seinen Mitarbeiter Justus Jonas für kurze Zeit nach Zerbst geschickt, wo er die erste evangelische Kirchenordnung entwarf.

amlingVon der Not des Schmalkaldischen Krieges 1547 wurde das Zerbster Land ziemlich hart getroffen, da viele Geistliche in die Stadt flüchteten, welche kurze Zeit auch Melanchton beherbergt hat. Fabricius hat dann freilich jahrelang um seine führende Stellung kämpfen müssen in Lehrstreitigkeiten mit der Zerbster Geistlichkeit, welche erst 1555 auf einen Konvent in Dessau durch Melanchton und Bugenhagen notdürftig geschlichtet wurden. Das Augustinerkloster, das schon 1525 von seinen Mönchen geräumt war, brannte 1556 nieder. Das Jungfrauenkloster hatte schon 1542 das gleiche Schicksal ereilt. Das Franziskanerkloster, in dem der Rat 1532 eine Schule errichtet hatte, wurde 1582 das Lehrgebäude für das neu gegründete Gymnasium Illustre auf Betreiben von Wolfgang Amling, welcher seit 1578 als Superintendent die führende Persönlichkeit wurde bei der jetzt beginnenden Neugestaltung der kirchlichen Verhältnisse. Amling hatte im gleichen Jahr die Ordination der anhaltischen Geistlichen von Wittenberg nach Zerbst verlegt und war seinen Landesherren zur Hand, als sie mit ihrem fürstlichen Reformationswerk eine Hinwendung zum reformierten Bekenntnis betrieben seit 1596.

Unter Amlings Einfluss hat sich dieser Konfessionswechsel im Zerbster Land fast reibungslos durchgesetzt. Doch ist gerade hier gar bald eine entscheidende Wendung erfolgt, als Fürst Johann im Zerbster Land die Regierung übernahm. Durch Johann Dürr, der 1644 zum Superintendenten berufen wurde, ließ er Stadt und Land Zerbst zum Luthertum zurück führen. Allein die Gemeinde von St. Nikolai hat ihr Reformiertentum behaupten können bei dem Religionsvergleich von 1679 und hat daran festgehalten bis zur Einführung der Union, welche die konfessionelle Entwicklung im Zerbster Land im Jahre 1827 zum Abschluss gebracht hat.

Anschrift
Ev. Kirchenkreis Zerbst
Große Marktstraße 9
06862 Dessau-Roßlau
Telefon: 034901-949333
Fax: 034901-949331
kreisoberpfarramt-zerbst@kircheanhalt.de
.
 
Öffnungszeit Büro
Montag: 08.30 - 13.30 Uhr
Dienstag: 08.30 - 13.30 Uhr
Mittwoch: 08.30 - 13.30 Uhr
Donnerstag 08.30 - 13.30 Uhr
 

© Kirchenkreis Zerbst 2017